Das Ende einer Ära: Warum Google dir heimlich den Gratis-Speicher kürzt (außer du gibst deine Nummer her!)
- Patrick Graber
- vor 2 Tagen
- 3 Min. Lesezeit

Das Ende einer Ära: Warum Google dir heimlich den Gratis-Speicher kürzt
Wer kennt es nicht? Man erstellt ein neues Google-Konto und hatte automatisch Zugriff auf großzügige 15 GB kostenlosen Cloud-Speicher für Gmail, Google Drive und Google Photos. Über ein Jahrzehnt lang war dieses unkonditionierte Angebot der Standard im Netz und ein echtes Alleinstellungsmerkmal gegenüber der Konkurrenz. Doch damit ist jetzt in den ersten Regionen Schluss.
Der 5-GB-Dämpfer bei der Registrierung
In den letzten Wochen tauchten vermehrt Berichte von überraschten Nutzern auf Reddit auf. Wer heute ein neues Google-Konto einrichtet und die Angabe einer Telefonnummer überspringt – was beispielsweise bei der Ersteinrichtung eines Android-Geräts ohne SIM-Karte möglich ist –, erhält plötzlich nur noch 5 GB Speicherplatz.
Das System stellt Neuzugänge vor eine knallharte Wahl :
Option A: „Unlock 15 GB storage at no cost by using your phone number“ (15 GB kostenlos freischalten durch Angabe der Telefonnummer).
Option B: „Keep 5 GB storage“ (Bei den 5 GB bleiben).
Die heimliche Vorbereitung im Kleingedruckten
Google hat diese Änderung nicht an die große Glocke gehängt. Wer jedoch die Support-Seiten genauer analysiert, stellt fest, dass das Unternehmen bereits im März 2026 den Grundstein dafür gelegt hat. Mithilfe von Webarchiven der Wayback Machine lässt sich rekonstruieren, dass der Satz „Jedes Google-Konto enthält 15 GB Speicherplatz“ heimlich zu „bis zu 15 GB Speicherplatz“ (up to 15 GB) abgeändert wurde.
Auf Nachfrage bestätigte ein Google-Sprecher, dass es sich derzeit um einen Testlauf in ausgewählten Regionen handelt. Besonders aktiv wird diese Einschränkung momentan in afrikanischen Märkten wie Kenia und Nigeria erzwungen. Ein globaler Rollout scheint angesichts der geänderten Support-Texte jedoch nur eine Frage der Zeit zu sein.
Warum macht Google das? (Die offizielle vs. inoffizielle Wahrheit)
Offiziell argumentiert Google mit zwei Aspekten: Sicherheit und Spam-Schutz. Die Telefonnummer soll als verlässlicher Wiederherstellungskanal dienen und verhindern, dass Bots oder Spammer massenhaft „Wegwerfkonten“ erstellen, um sich unendlich viel kostenlosen Speicherplatz zu erschwindeln.
Hinter den Kulissen spielen aber vor allem wirtschaftliche Faktoren eine Rolle:
Infrastruktur- und Speicherkosten: Google sieht sich weltweit mit steigenden Kosten und einer Verknappung von Speicher- und Hardware-Komponenten konfrontiert.
Der KI-Hunger: Gigantische Serverkapazitäten müssen für rechenintensive KI-Modelle wie Gemini bereitgestellt werden. Ungenutzten Speicher für inaktive Gratis-Nutzer bereitzustellen, rechnet sich für den Konzern immer weniger.
Druck zur Monetarisierung: Wer schnell an die 5-GB-Grenze stößt, schließt eher ein kostenpflichtiges Google-One-Abonnement ab (ab 1,99 US-Dollar im Monat für 100 GB).
Datenschutz im Zwiespalt
Für Nutzer, die Wert auf Anonymität legen, ist dieser Schritt ein schwerer Schlag. Da SIM-Karten in vielen Ländern gesetzlich nur noch mit Ausweisvorlage verkauft werden dürfen, verknüpft Google das Konto über die Telefonnummer direkt mit einer echten, staatlich verifizierten Identität. Wer anonym bleiben will (wie Aktivisten oder Journalisten), muss sich künftig mit mageren 5 GB zufriedengeben oder auf datenschutzfreundliche Alternativen ausweichen.
Der Marktvergleich: Wo stehen die anderen?
Mit dem Schritt auf 5 GB passt sich Google im Grunde nur dem restlichen Markt an. Hier ist eine Übersicht der aktuellen Gratis-Modelle:
Cloud-Dienst | Gratis-Speicher | Besonderheit |
Google Drive | 5 GB (unverifiziert) / 15 GB (verifiziert) | Voller Speicher nur gegen Telefonnummer |
Apple iCloud | 5 GB | Standard für iOS-Geräte, oft schnell voll durch Backups |
Microsoft OneDrive | 5 GB | Nahtlos in Windows integriert |
Proton Drive | 5 GB | Schweizer Datenschutz & Ende-zu-Ende-Verschlüsselung |
MEGA | 20 GB | Derzeit das großzügigste Gratis-Angebot im Testvergleich |
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