Natur-Cops oder Berg-Coaches? Südtirols neue Ranger starten den Sommer-Einsatz

Ein Selfie am Pragser Wildsee, ein Drohnenflug über die Seceda oder wildes Parken am Karersee: Südtirols Hotspots stoßen im Sommer oft an ihre Grenzen. Genau hier setzt ein neues, ehrgeiziges Pilotprojekt an. Ab sofort sind 15 „Südtirol Alto Adige Ranger“ an den neuralgischen Punkten des Landes unterwegs. Ihre Mission: Aufklären statt Strafen, Lenken statt Sperren.
Wer in diesen Wochen an den Dolomitenpässen, auf der Seiser Alm oder in der Bletterbachschlucht unterwegs ist, wird sie unübersehbar an ihrer einheitlichen Bekleidung erkennen: die neuen Südtirol Alto Adige Ranger. Insgesamt 15 Frauen und Männer bilden die Speerspitze einer neuen Initiative, die das sensible Gleichgewicht zwischen Tourismusströmen und Naturschutz sichern soll.
Eingestellt wurden sie von den lokalen Tourismusorganisationen und Gemeinden vor Ort, um genau dort präsent zu sein, wo der Druck am größten ist – und das vor allem außerhalb der klassischen Schutzgebiete.
Die Belastungsgrenze ist erreicht
Dass Handlungsbedarf besteht, ist kein Geheimnis. Der Besucherandrang hat in den letzten Jahren massiv zugenommen.
„Hier übernehmen die Südtirol Alto Adige Ranger eine wichtige Funktion: Sie sensibilisieren vor Ort für das richtige Verhalten in Natur und Landschaft und tragen zu deren Schutz bei“, betont Umweltlandesrat Peter Brunner.
Die Ranger sind dabei keineswegs als reine „Aufpasser“ zu verstehen. Sie agieren vielmehr als Vermittler. Sie erklären Gästen und Einheimischen, warum bestimmte Verhaltensregeln – wie das Einhalten von Wegen oder die Leinenpflicht für Hunde – für das Überleben der alpinen Flora und Fauna überlebenswichtig sind.
Crashkurs für den Hotspot-Einsatz
Um für die oft komplexe Kommunikation mit den Besuchern gewappnet zu sein, haben die Ranger eine intensive Schulung durchlaufen. Auf dem Stundenplan standen nicht nur Konfliktmanagement und Kommunikation, sondern auch knallhartes Fachwissen:
- Besuchermanagement und rechtliche Grundlagen im UNESCO-Welterbe
- Naturgefahren & Umwelt: Von Wetterkunde bis hin zu aktuellen Waldthemen wie dem Borkenkäfer und dem Prozessionsspinner.
- Netzwerkarbeit: Während der gesamten Saison stehen die Ranger in engem Austausch mit den lokalen Forststationen und Naturparkhäusern.
„Das Pilotprojekt ist gut gestartet. Die ersten Schritte sind vielversprechend verlaufen“, zieht Elisabeth Berger, Koordinatorin des Dolomiten UNESCO Welterbes in der Landesabteilung Natur, ein erstes positives Zwischenfazit.
Ranger ist nicht gleich Ranger: Der feine Unterschied
Für den Durchblick im Schilderwald sorgt eine wichtige Unterscheidung: Die neuen Südtirol Alto Adige Ranger sind nicht zu verwechseln mit den klassischen Naturpark-Rangern.
| Ranger-Typ | Anstellung | Hauptfokus | Einsatzgebiet |
| Südtirol Alto Adige Ranger (Neu) | Lokale Tourismusvereine & Gemeinden | Besucherlenkung, Sensibilisierung an Hotspots | Vielbesuchte Orte, oft außerhalb von Schutzgebieten (z.B. Pässe, Seen) |
| Naturpark-Ranger (Etabliert) | Landesamt für Natur | Umweltbildung, geführte Wanderungen, Naturschutzprojekte | Strikt innerhalb der Naturparks und Naturparkhäuser |
Das neue Projekt basiert auf einer Initiative eines breiten Arbeitstisches, an dem unter anderem die Landesabteilung Natur, IDM Südtirol und der Landesverband der Tourismusorganisationen (LTS) beteiligt sind. Es baut auf den extrem positiven Erfahrungen auf, die man in den vergangenen Jahren bereits mit lokalen Ranger-Projekten in Prags, Gröden, Villnöss und Alta Badia sammeln konnte.
Ob das Konzept aufgeht und die 15 Ranger den Sommer-Ansturm bändigen können, werden die nächsten Monate zeigen. Der Grundstein für ein bewussteres Miteinander am Berg ist jedenfalls gelegt.
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