„Kein Selbstbedienungsladen“: Warum die legendäre ÖBB-Stimme jetzt ihr eigenes KI-Modell trainiert
Sie ist die wohl bekannteste Stimme Österreichs und auch unzähligen Südtirolern von Reisen über den Brenner bestens vertraut: Chris Lohner. Seit über 45 Jahren sagt die ikonische Moderatorin und Schauspielerin die Züge der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) an. Doch im Zeitalter von Künstlicher Intelligenz geht sie nun einen revolutionären Schritt, um ihr Lebenswerk vor Missbrauch zu schützen.
In Zeiten, in denen KI-Systeme jede beliebige Stimme innerhalb weniger Sekunden täuschend echt kopieren können, geraten vor allem bekannte Persönlichkeiten unter Druck. Um illegalen Deepfakes und dem ungefragten Stimmklau zuvorzukommen, haben die ÖBB und Chris Lohner ein in Europa bislang einzigartiges Pionierprojekt gestartet: Sie trainieren ein offizielles, exklusives KI-Stimmmodell der 82-Jährigen.
Schutz des eigenen Eigentums im KI-Zeitalter
„Meine Stimme ist mein Kapital und kein Selbstbedienungsladen für Künstliche Intelligenz“, stellte Chris Lohner bei der Präsentation des Projekts klar. Statt darauf zu warten, dass Kriminelle oder Firmen ihre Stimme unerlaubt für eigene Zwecke replizieren, hat sie sich proaktiv für die Digitalisierung entschieden.
Gemeinsam mit den ÖBB wurden in den vergangenen Monaten unzählige Stunden Sprachmaterial im Tonstudio aufgenommen, um eine digitale Kopie ihrer Stimme zu erschaffen. Das Besondere daran: Die Rechte an diesem KI-Modell bleiben strikt geschützt. Niemand darf die Stimme ohne Genehmigung nutzen – ein klares Signal für das Urheberrecht in der digitalen Zukunft.
Warum die ÖBB die KI dringend brauchen
Für die Bahngesellschaft hat das Projekt neben dem Schutzgedanken auch einen enormen praktischen Nutzen. Bislang musste Chris Lohner bei jeder Fahrplanänderung oder für neue Bahnhofsnamen persönlich ins Tonstudio reisen, um die Durchsagen einzusprechen. Das war aufwendig und kostspielig.
Mit dem neuen KI-Modell können die ÖBB künftig neue Durchsagetexte, Sonderinfos oder aktuelle Störungsmeldungen in Sekundenschnelle per Tastendruck generieren – und das in der gewohnten, vertrauten Qualität, die die Fahrgäste seit Jahrzehnten schätzen. Für die Passagiere an den Bahnhöfen ändert sich akustisch also nichts, im Hintergrund läuft jedoch modernste Technik.
Ein Vorbild für die gesamte Medienbranche
Das Projekt der ÖBB und Chris Lohner zeigt eindrucksvoll, wie der Spagat zwischen Tradition und technologischer Moderne gelingen kann. Statt Innovationen aus Angst vor Missbrauch komplett zu blockieren, nutzen die Beteiligten die Technologie, um das Original zu schützen und gleichzeitig effizienter zu werden. Es ist ein echtes Vorzeigeprojekt, das in Zeiten der Debatten um Urheberrechte im Netz wegweisend für Synchronsprecher, Schauspieler und Moderatoren weltweit sein könnte.
Schau dir oben im Video den offiziellen Beitrag des ORF an, in dem Chris Lohner und die ÖBB-Verantwortlichen das neue KI-Projekt hautnah im Studio erklären!
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