Während in Südtirol alle Augen auf den Brennerbasistunnel gerichtet sind, gräbt sich im Westen Italiens klammheimlich das nächste gigantische Milliardenprojekt durch den Fels. Die neue Bahnstrecke zwischen Turin und Lyon soll die Alpenrepubliken noch enger zusammenschweißen – doch tief im Berg tobt ein erbitterter Kampf gegen die Natur und im Tal die Wut der Anwohner.
Bozen/Turin – Es ist ein europäisches Projekt der Superlative: 600 Meter unter den Gipfeln der französisch-italienischen Alpen entsteht derzeit mit dem Mont-Cenis-Basistunnel einer der längsten Eisenbahntunnel der Welt. Satte 11 Milliarden Euro kostet die Mega-Baustelle, die Turin und Lyon in Zukunft in Rekordzeit verbinden soll. Für Italien steht viel auf dem Spiel – es geht um den Anschluss an das europäische Hochgeschwindigkeitsnetz, um tonnenweise CO₂-Einsparungen und darum, den Güterverkehr weg von den überlasteten Passstraßen und rauf auf die Schiene zu verlagern.
Doch das Mammutprojekt teilt das Schicksal, das wir in Südtirol nur zu gut vom Brennerbasistunnel (BBT) kennen: Wo Großes entsteht, prallen Welten aufeinander.
57,5 Kilometer durch den instabilen Fels
Die Parallelen zu unserem BBT sind verblüffend. Während der Brennerbasistunnel nach seiner Fertigstellung (Inbetriebnahme voraussichtlich 2032) die Alpenverbindung revolutionieren soll, wird im Westen an zwei Röhren von jeweils 57,5 Kilometern Länge gebohrt. Sie sollen die Reisezeit zwischen Lyon und Turin um eine Dreiviertelstunde verkürzen.
Der Vortrieb ist jedoch ein täglicher Nervenkrieg. „Das Bergmassiv ist teilweise instabil. Es ist ein besonderes Terrain, das in ständiger Bewegung ist und sich verändert“, schildern die Tunnelbauer vor Ort die extremen Bedingungen im Berg. Nur maximal 15 Meter schafft die riesige Bohrmaschine pro Tag. Wo der Fels zu hart oder tückisch wird, muss das Gestein mühsam weggesprengt werden. Bis Ende 2033 sollen hier die ersten Züge durchrauschen – ein Zeitplan, der den Ingenieuren alles abverlangt.
Das „Badewannen-Prinzip“: Angst um Italiens Bergwasser
Doch während die Wirtschaft und die Politik in Rom und Paris das Projekt als Meilenstein für den klimafreundlichen Verkehr feiern, wächst im französischen Maurienne-Tal und auf der italienischen Seite im Susa-Tal der Widerstand.
Besonders die ökologischen Sorgen wiegen schwer und dürften auch Umweltschützern in Südtirol bekannt vorkommen. Hydrogeologen warnen vor den unumkehrbaren Folgen der tiefen Bohrungen für den Wasserhaushalt der Alpen. Erika Sanford, Expertin für Hydrogeologie, zieht einen drastischen Vergleich:
„Wenn man einen Tunnel in den Berg bohrt, hat das in etwa den gleichen Effekt, als würde man den Abflussstöpsel aus der Badewanne ziehen. Man entleert gewissermaßen den Berg unter Tage.“
Tatsächlich fielen im betroffenen Tal bereits mehrere Quellen dem Untertagebau zum Opfer. Die Angst wächst, dass riesige natürliche Wasserreservoirs in Zukunft komplett austrocknen könnten.
„Wirtschaftliches Desaster“ oder Jobmotor für die Region?
Neben der Natur sind es die Menschen im Tal, die unter dem Lärm, dem Staub und den gewaltigen Schutthalden leiden. Kritiker sprechen von einem „wirtschaftlichen und ökologischen Desaster“. Die enormen Kosten würden am Ende an den Steuerzahlern hängen bleiben, während das Geld an anderen Stellen – wie bei der Sanierung der maroden Bergstraßen – fehle.
Zwar versuchen die Tunnelbetreiber, die lokalen Gemeinden mit Kofinanzierungen für Schulen oder Marktplätze milde zu stimmen, doch für viele Anwohner bleibt ein bitterer Beigeschmack. Die geschaffenen Arbeitsplätze seien meist befristet und die Einheimischen würden kaum davon profitieren. Das Argument der Kritiker wiegt schwer: Der Tunnel verbinde am Ende nur die großen Metropolen miteinander, zerstöre aber die Lebensqualität in den Gebieten, durch die er verläuft.
Ein Blick in die Zukunft der Alpenregionen
Ob Brenner oder Westalpen – Italien baut an seiner Zukunft im Herzen Europas. Für die Befürworter ist der Tunnelbau das einzig richtige Signal, um dem Verkehrsinfarkt auf den Straßen entgegenzuwirken und den Kontinent nachhaltig zu vernetzen. Für die Gegner bleibt es ein unbezahlbarer Eingriff in ein sensibles Ökosystem.
Eines steht fest: Bis 2033 die ersten Züge unter den Alpengipfeln durchrollen, wird die Debatte um Sinn und Unsinn dieser Mega-Projekte die Gemüter in Italien und ganz Europa weiterhin heftig elektrisieren.
Was denkt Ihr? Sind solche Mega-Tunnel die Zukunft für ein grünes Europa oder ein zu hoher Preis für die Natur? Schreibt uns Eure Meinung in die Kommentare!
Wettlauf UNTER DEN ALPEN: Italiens nächster Rekord-Tunnel spaltet die Gemüter
Während in Südtirol alle Augen auf den Brennerbasistunnel gerichtet sind, gräbt sich im Westen Italiens klammheimlich das nächste gigantische Milliardenprojekt durch den Fels. Die neue Bahnstrecke zwischen Turin und Lyon soll die Alpenrepubliken noch enger zusammenschweißen – doch tief im Berg tobt ein erbitterter Kampf gegen die Natur und im Tal die Wut der Anwohner.
Bozen/Turin – Es ist ein europäisches Projekt der Superlative: 600 Meter unter den Gipfeln der französisch-italienischen Alpen entsteht derzeit mit dem Mont-Cenis-Basistunnel einer der längsten Eisenbahntunnel der Welt. Satte 11 Milliarden Euro kostet die Mega-Baustelle, die Turin und Lyon in Zukunft in Rekordzeit verbinden soll. Für Italien steht viel auf dem Spiel – es geht um den Anschluss an das europäische Hochgeschwindigkeitsnetz, um tonnenweise CO₂-Einsparungen und darum, den Güterverkehr weg von den überlasteten Passstraßen und rauf auf die Schiene zu verlagern.
Doch das Mammutprojekt teilt das Schicksal, das wir in Südtirol nur zu gut vom Brennerbasistunnel (BBT) kennen: Wo Großes entsteht, prallen Welten aufeinander.
57,5 Kilometer durch den instabilen Fels
Die Parallelen zu unserem BBT sind verblüffend. Während der Brennerbasistunnel nach seiner Fertigstellung (Inbetriebnahme voraussichtlich 2032) die Alpenverbindung revolutionieren soll, wird im Westen an zwei Röhren von jeweils 57,5 Kilometern Länge gebohrt. Sie sollen die Reisezeit zwischen Lyon und Turin um eine Dreiviertelstunde verkürzen.
Der Vortrieb ist jedoch ein täglicher Nervenkrieg. „Das Bergmassiv ist teilweise instabil. Es ist ein besonderes Terrain, das in ständiger Bewegung ist und sich verändert“, schildern die Tunnelbauer vor Ort die extremen Bedingungen im Berg. Nur maximal 15 Meter schafft die riesige Bohrmaschine pro Tag. Wo der Fels zu hart oder tückisch wird, muss das Gestein mühsam weggesprengt werden. Bis Ende 2033 sollen hier die ersten Züge durchrauschen – ein Zeitplan, der den Ingenieuren alles abverlangt.
Das „Badewannen-Prinzip“: Angst um Italiens Bergwasser
Doch während die Wirtschaft und die Politik in Rom und Paris das Projekt als Meilenstein für den klimafreundlichen Verkehr feiern, wächst im französischen Maurienne-Tal und auf der italienischen Seite im Susa-Tal der Widerstand.
Besonders die ökologischen Sorgen wiegen schwer und dürften auch Umweltschützern in Südtirol bekannt vorkommen. Hydrogeologen warnen vor den unumkehrbaren Folgen der tiefen Bohrungen für den Wasserhaushalt der Alpen. Erika Sanford, Expertin für Hydrogeologie, zieht einen drastischen Vergleich:
„Wenn man einen Tunnel in den Berg bohrt, hat das in etwa den gleichen Effekt, als würde man den Abflussstöpsel aus der Badewanne ziehen. Man entleert gewissermaßen den Berg unter Tage.“
Tatsächlich fielen im betroffenen Tal bereits mehrere Quellen dem Untertagebau zum Opfer. Die Angst wächst, dass riesige natürliche Wasserreservoirs in Zukunft komplett austrocknen könnten.
„Wirtschaftliches Desaster“ oder Jobmotor für die Region?
Neben der Natur sind es die Menschen im Tal, die unter dem Lärm, dem Staub und den gewaltigen Schutthalden leiden. Kritiker sprechen von einem „wirtschaftlichen und ökologischen Desaster“. Die enormen Kosten würden am Ende an den Steuerzahlern hängen bleiben, während das Geld an anderen Stellen – wie bei der Sanierung der maroden Bergstraßen – fehle.
Zwar versuchen die Tunnelbetreiber, die lokalen Gemeinden mit Kofinanzierungen für Schulen oder Marktplätze milde zu stimmen, doch für viele Anwohner bleibt ein bitterer Beigeschmack. Die geschaffenen Arbeitsplätze seien meist befristet und die Einheimischen würden kaum davon profitieren. Das Argument der Kritiker wiegt schwer: Der Tunnel verbinde am Ende nur die großen Metropolen miteinander, zerstöre aber die Lebensqualität in den Gebieten, durch die er verläuft.
Ein Blick in die Zukunft der Alpenregionen
Ob Brenner oder Westalpen – Italien baut an seiner Zukunft im Herzen Europas. Für die Befürworter ist der Tunnelbau das einzig richtige Signal, um dem Verkehrsinfarkt auf den Straßen entgegenzuwirken und den Kontinent nachhaltig zu vernetzen. Für die Gegner bleibt es ein unbezahlbarer Eingriff in ein sensibles Ökosystem.
Eines steht fest: Bis 2033 die ersten Züge unter den Alpengipfeln durchrollen, wird die Debatte um Sinn und Unsinn dieser Mega-Projekte die Gemüter in Italien und ganz Europa weiterhin heftig elektrisieren.
Was denkt Ihr? Sind solche Mega-Tunnel die Zukunft für ein grünes Europa oder ein zu hoher Preis für die Natur? Schreibt uns Eure Meinung in die Kommentare!
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