Ob als cremiger Latte im Straßencafé in Bozen oder als Zutat in hippen Konditoreien – das leuchtend grüne Pulver namens Matcha ist auch aus der Südtiroler Genussszene nicht mehr wegzudenken. Doch während wir den schaumigen Wachmacher genießen, lohnt sich ein Blick an den Ursprung des Trends. Eine Reportage aus dem japanischen Uji, dem Herzen der Teeregion nahe Kyoto, zeigt: Hinter dem Lifestyle-Getränk steckt eine Welt aus harter Knochenarbeit, historischen Mühlen und einer Kultur, die durch den eigenen Erfolg unter Druck gerät.

Handarbeit im Akkord: Nur die zartesten Triebe zählen
Wer glaubt, Matcha sei ein rein industrielles Massenprodukt, der irrt gewaltig. Der Weg in die Tasse beginnt mit extrem mühsamer Handarbeit. In Uji wird der Tee auf Feldern geerntet, die komplett beschattet werden. Das sorgt dafür, dass die Blätter besonders süß und intensiv grün werden.
Die Ernte selbst findet nur einmal im Jahr statt. Dabei ist höchste Präzision gefragt: Die Erntehelferinnen pflücken ausschließlich die jungen, zarten Triebe, die im Frühjahr frisch gewachsen sind. Ein Knochenjob, der vor allem Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger beansprucht. Die größte Herausforderung? Der Nachwuchs fehlt. Die Helferinnen sind meist ältere Frauen, die seit Jahrzehnten dabei sind und trotz schmerzender Finger und Rücken die Stellung halten. Und das bei einem Stundenlohn von umgerechnet gerade einmal knapp 7 Euro.
Von der Fabrik in die Granitmühle
Nach der Ernte müssen die Blätter sofort weiterverarbeitet werden. In der Fabrik werden sie zunächst bei rund 100 °C gedämpft, um die charakteristische grüne Farbe zu erhalten. Nach der Lufttrocknung und einem Durchgang im Ofen sind die Blätter so knusprig wie Chips und schmecken pur ein wenig nach Spinat.
Das eigentliche Geheimnis des feinen Pulvers liegt jedoch im Mahlraum, in dem strenge Hygienevorschriften gelten und es intensiv nach frisch gemähtem Gras und Algen duftet. Hier rotieren schwere Granitmühlen bis zu 15 Stunden am Tag. Das Tempo ist bewusst drosselt: Gerade einmal 50 Gramm des superfeinen Pulvers schafft eine Mühle pro Stunde. Nur durch dieses langsame Verfahren entsteht die Qualität, die am Ende im Handel landet.
Die Kehrseite des Booms: Luxusprodukt statt Alltagskultur
Für die Produzenten in Japan, wie den Teehaus-Chef Seego Koyama, ist der weltweite Boom ein zweischneidiges Schwert. Einerseits haben sich die Preise durch die enorme globale Nachfrage zuletzt fast verdreifacht. Matcha ist längst zu einem echten Luxusprodukt avanciert.
Andererseits sorgt sich die Branche um die heimische Teekultur. Für den japanischen Markt selbst bleibt durch den Export kaum noch etwas übrig, und die Menschen vor Ort müssen inzwischen deutlich tiefere Taschen haben, um ihren traditionellen Tee zu bezahlen.
Das Fazit für den nächsten Café-Besuch: Wenn Sie das nächste Mal in Südtirol einen Matcha bestellen, wissen Sie: In diesem knallgrünen Pulver stecken jahrhundertealte Tradition, stundenlange Handarbeit und der langsame Takt echter Granitmühlen. Qualität hat eben ihren Preis – und der ist in diesem Fall absolut gerechtfertigt.
Du findest das grüne Pulver an verschiedenen Ecken in Südtirol:
- In den Cafés und Bars: Vor allem in Städten wie Bozen, Meran oder Brixen führen die modernen Specialty-Coffee-Shops und Concept Stores (wie das Urban Coffee Lab in Bozen) standardmäßig Matcha Latte (oft mit Hafermilch) auf der Karte. Auch asiatisch inspirierte Hotspots wie die Mochi Rooftop Bar in Bozen setzen verstärkt auf japanische Tee- und Cocktail-Einflüsse.
- Im Handel zum Kaufen: Wenn du hochwertigen Matcha für zu Hause suchst, wirst du in lokalen Teeläden (wie dem Teashop Meran), in Bioläden, Reformhäusern oder Unverpackt-Geschäften (wie Novo in Bozen und Brixen) fündig. Dort gibt es meist sowohl "Culinary Matcha" zum Backen und Kochen als auch hochwertigeren "Ceremonial Matcha" zum puren Trinken.
Das grüne Gold im Test: Wie der weltweite Matcha-Hype seine Spuren hinterlässt
Ob als cremiger Latte im Straßencafé in Bozen oder als Zutat in hippen Konditoreien – das leuchtend grüne Pulver namens Matcha ist auch aus der Südtiroler Genussszene nicht mehr wegzudenken. Doch während wir den schaumigen Wachmacher genießen, lohnt sich ein Blick an den Ursprung des Trends. Eine Reportage aus dem japanischen Uji, dem Herzen der Teeregion nahe Kyoto, zeigt: Hinter dem Lifestyle-Getränk steckt eine Welt aus harter Knochenarbeit, historischen Mühlen und einer Kultur, die durch den eigenen Erfolg unter Druck gerät.

Handarbeit im Akkord: Nur die zartesten Triebe zählen
Wer glaubt, Matcha sei ein rein industrielles Massenprodukt, der irrt gewaltig. Der Weg in die Tasse beginnt mit extrem mühsamer Handarbeit. In Uji wird der Tee auf Feldern geerntet, die komplett beschattet werden. Das sorgt dafür, dass die Blätter besonders süß und intensiv grün werden.
Die Ernte selbst findet nur einmal im Jahr statt. Dabei ist höchste Präzision gefragt: Die Erntehelferinnen pflücken ausschließlich die jungen, zarten Triebe, die im Frühjahr frisch gewachsen sind. Ein Knochenjob, der vor allem Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger beansprucht. Die größte Herausforderung? Der Nachwuchs fehlt. Die Helferinnen sind meist ältere Frauen, die seit Jahrzehnten dabei sind und trotz schmerzender Finger und Rücken die Stellung halten. Und das bei einem Stundenlohn von umgerechnet gerade einmal knapp 7 Euro.
Von der Fabrik in die Granitmühle
Nach der Ernte müssen die Blätter sofort weiterverarbeitet werden. In der Fabrik werden sie zunächst bei rund 100 °C gedämpft, um die charakteristische grüne Farbe zu erhalten. Nach der Lufttrocknung und einem Durchgang im Ofen sind die Blätter so knusprig wie Chips und schmecken pur ein wenig nach Spinat.
Das eigentliche Geheimnis des feinen Pulvers liegt jedoch im Mahlraum, in dem strenge Hygienevorschriften gelten und es intensiv nach frisch gemähtem Gras und Algen duftet. Hier rotieren schwere Granitmühlen bis zu 15 Stunden am Tag. Das Tempo ist bewusst drosselt: Gerade einmal 50 Gramm des superfeinen Pulvers schafft eine Mühle pro Stunde. Nur durch dieses langsame Verfahren entsteht die Qualität, die am Ende im Handel landet.
Die Kehrseite des Booms: Luxusprodukt statt Alltagskultur
Für die Produzenten in Japan, wie den Teehaus-Chef Seego Koyama, ist der weltweite Boom ein zweischneidiges Schwert. Einerseits haben sich die Preise durch die enorme globale Nachfrage zuletzt fast verdreifacht. Matcha ist längst zu einem echten Luxusprodukt avanciert.
Andererseits sorgt sich die Branche um die heimische Teekultur. Für den japanischen Markt selbst bleibt durch den Export kaum noch etwas übrig, und die Menschen vor Ort müssen inzwischen deutlich tiefere Taschen haben, um ihren traditionellen Tee zu bezahlen.
Das Fazit für den nächsten Café-Besuch: Wenn Sie das nächste Mal in Südtirol einen Matcha bestellen, wissen Sie: In diesem knallgrünen Pulver stecken jahrhundertealte Tradition, stundenlange Handarbeit und der langsame Takt echter Granitmühlen. Qualität hat eben ihren Preis – und der ist in diesem Fall absolut gerechtfertigt.
Du findest das grüne Pulver an verschiedenen Ecken in Südtirol:
- In den Cafés und Bars: Vor allem in Städten wie Bozen, Meran oder Brixen führen die modernen Specialty-Coffee-Shops und Concept Stores (wie das Urban Coffee Lab in Bozen) standardmäßig Matcha Latte (oft mit Hafermilch) auf der Karte. Auch asiatisch inspirierte Hotspots wie die Mochi Rooftop Bar in Bozen setzen verstärkt auf japanische Tee- und Cocktail-Einflüsse.
- Im Handel zum Kaufen: Wenn du hochwertigen Matcha für zu Hause suchst, wirst du in lokalen Teeläden (wie dem Teashop Meran), in Bioläden, Reformhäusern oder Unverpackt-Geschäften (wie Novo in Bozen und Brixen) fündig. Dort gibt es meist sowohl "Culinary Matcha" zum Backen und Kochen als auch hochwertigeren "Ceremonial Matcha" zum puren Trinken.
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