Die sommerliche Idylle in den Hochalpen trügt. Hinter der majestätischen Kulisse von Ortler, Großvenediger und Montblanc vollzieht sich eine dramatische Transformation. Der menschengemachte Klimawandel hat die Bergwelt fest im Griff – und stellt Bergsteiger, Bergführer und die Wissenschaft vor völlig neue, teils lebensgefährliche Herausforderungen.

Wo vor wenigen Jahren noch ewiges Eis lag, dominieren heute blanker Fels, instabile Geröllwüsten und unberechenbare Spaltensysteme.

Die unsichtbare Gefahr: Schmelzende Gletscher und "Mausefallen"

Das auffälligste Symptom der Erwärmung ist das rapide Schwinden der Gletscher. Am Beispiel des Obersulzbachgletschers am Großvenediger (3.657 m) wird die Dimension sichtbar: Seit 1850 hat er rund 70% seiner Fläche verloren, in den letzten drei Jahren schritt die Schmelze extrem rasant voran.

Für Alpinisten bedeutet das konkret:

  • Größere und mehr Spalten: Das Spaltengewebe reißt weiter auf. Weil der Schnee im Sommer nachts oft nicht mehr richtig gefriert, bricht die Schneedecke tagsüber viel früher ein. Spaltenstürze nehmen merklich zu.
  • Gefährliche Unterspülungen: Unter dem scheinbar festen Eis bilden sich durch Schmelzwasser Hohlräume. Liegt erst einmal Neuschnee darüber, werden diese Zonen zu unsichtbaren Mausefallen.
  • Verschwindende Routen: Alte, über Jahrzehnte genutzte Zustiege und Originalwege zu den Hütten sind heute schlicht unfahrbar, gesperrt oder existieren nicht mehr.
„Die Berge verändern sich unwiderruflich. Das Eis geht nicht nur stetig zurück, sondern es brechen immer wieder Eisbrücken ab. Die Jahreszeit und das Zeitfenster müssen heute viel besser gewählt werden.“ — Karl Visa, staatlich geprüfter Bergführer
Foto: Clemens Stockner/CC BY-SA 3.0

Tauender Permafrost: Steinschlag im „Todeskorridor“

Nicht nur das Eis schwindet, auch das Innere der Berge verliert seinen Halt. Der Permafrost – das „Metalleis“, das die Felswände wie Klebstoff zusammenhält – taut auf. Die Folge ist massiver, unberechenbarer Steinschlag.

Profibergsteiger wie Jost Kobusch, der sich solo und ohne Sauerstoff auf extreme Projekte wie den Mount Everest im Winter vorbereitet, spüren die Instabilität hautnah. Am Montblanc quert er das berüchtigte Grand Couloir – auch bekannt als „Todeskorridor“ – im Sommer grundsätzlich nicht mehr. Durch die Hitze brettern dort regelmäßig gewaltige Felsblöcke in die Tiefe. Alpinismus, so Kobusch, gleicht heute immer mehr einem Pokerspiel, bei dem man die Risiken extrem genau abwägen muss.

Wie real diese Gefahr selbst für absolute Ausnahmekönner ist, zeigte der tragische Unfall der deutschen Biathlon-Olympiasiegerin und Bergführerin Laura Dahlmeier, die im Juli 2025 am Leila Peak in Pakistan durch einen Steinschlag tödlich verunglückte.

Starkregen und Murgänge: Wenn der Berg ins Tal rutscht

Der Klimawandel verändert die Alpen jedoch nicht nur in der absoluten Todeszone. Auch in den Tälern, wie im bayerischen Oberstdorf, zeigt er seine Wucht durch sogenannte Murgänge.

Die Umweltgenießerin und Wissenschaftlerin Verena Stammberger erforscht diese schnell fließenden Ströme aus Wasser, Schlamm und Geröll. Ausgelöst durch extreme, lokale Starkregenereignisse – die laut Studien bei einer Erwärmung um 2°C um das Doppelte zunehmen – geraten ganze Berghänge in Bewegung und bedrohen Orte, die früher als absolut sicher galten.

Fazit: Ein Privileg auf Zeit

Wer heute noch die Hochalpen und ihre Gletscher erleben will, muss umdenken. Eine fundierte Ausbildung in Spaltenbergung, der sichere Umgang mit Steigeisen und Eispickel sowie eine akribische Tourenplanung sind überlebenswichtig geworden.

Die Berge sind im Wandel, sie werden wilder, unberechenbarer und gefährlicher. Oder wie Bergführer Karl Visa es treffend formuliert: Es ist ein Privileg, diese vergängliche Masse heute noch so erleben zu dürfen – die nächste Generation wird davon wohl nur noch einen ganz kleinen Teil zu Gesicht bekommen.

Die Alpen brechen auf: Wie der Klimawandel das Bergsteigen radikal verändert (Video)

Die sommerliche Idylle in den Hochalpen trügt. Hinter der majestätischen Kulisse von Ortler, Großvenediger und Montblanc vollzieht sich eine dramatische Transformation. Der menschengemachte Klimawandel hat die Bergwelt fest im Griff – und stellt Bergsteiger, Bergführer und die Wissenschaft vor völlig neue, teils lebensgefährliche Herausforderungen.

Wo vor wenigen Jahren noch ewiges Eis lag, dominieren heute blanker Fels, instabile Geröllwüsten und unberechenbare Spaltensysteme.

Die unsichtbare Gefahr: Schmelzende Gletscher und "Mausefallen"

Das auffälligste Symptom der Erwärmung ist das rapide Schwinden der Gletscher. Am Beispiel des Obersulzbachgletschers am Großvenediger (3.657 m) wird die Dimension sichtbar: Seit 1850 hat er rund 70% seiner Fläche verloren, in den letzten drei Jahren schritt die Schmelze extrem rasant voran.

Für Alpinisten bedeutet das konkret:

  • Größere und mehr Spalten: Das Spaltengewebe reißt weiter auf. Weil der Schnee im Sommer nachts oft nicht mehr richtig gefriert, bricht die Schneedecke tagsüber viel früher ein. Spaltenstürze nehmen merklich zu.
  • Gefährliche Unterspülungen: Unter dem scheinbar festen Eis bilden sich durch Schmelzwasser Hohlräume. Liegt erst einmal Neuschnee darüber, werden diese Zonen zu unsichtbaren Mausefallen.
  • Verschwindende Routen: Alte, über Jahrzehnte genutzte Zustiege und Originalwege zu den Hütten sind heute schlicht unfahrbar, gesperrt oder existieren nicht mehr.
„Die Berge verändern sich unwiderruflich. Das Eis geht nicht nur stetig zurück, sondern es brechen immer wieder Eisbrücken ab. Die Jahreszeit und das Zeitfenster müssen heute viel besser gewählt werden.“ — Karl Visa, staatlich geprüfter Bergführer
Foto: Clemens Stockner/CC BY-SA 3.0

Tauender Permafrost: Steinschlag im „Todeskorridor“

Nicht nur das Eis schwindet, auch das Innere der Berge verliert seinen Halt. Der Permafrost – das „Metalleis“, das die Felswände wie Klebstoff zusammenhält – taut auf. Die Folge ist massiver, unberechenbarer Steinschlag.

Profibergsteiger wie Jost Kobusch, der sich solo und ohne Sauerstoff auf extreme Projekte wie den Mount Everest im Winter vorbereitet, spüren die Instabilität hautnah. Am Montblanc quert er das berüchtigte Grand Couloir – auch bekannt als „Todeskorridor“ – im Sommer grundsätzlich nicht mehr. Durch die Hitze brettern dort regelmäßig gewaltige Felsblöcke in die Tiefe. Alpinismus, so Kobusch, gleicht heute immer mehr einem Pokerspiel, bei dem man die Risiken extrem genau abwägen muss.

Wie real diese Gefahr selbst für absolute Ausnahmekönner ist, zeigte der tragische Unfall der deutschen Biathlon-Olympiasiegerin und Bergführerin Laura Dahlmeier, die im Juli 2025 am Leila Peak in Pakistan durch einen Steinschlag tödlich verunglückte.

Starkregen und Murgänge: Wenn der Berg ins Tal rutscht

Der Klimawandel verändert die Alpen jedoch nicht nur in der absoluten Todeszone. Auch in den Tälern, wie im bayerischen Oberstdorf, zeigt er seine Wucht durch sogenannte Murgänge.

Die Umweltgenießerin und Wissenschaftlerin Verena Stammberger erforscht diese schnell fließenden Ströme aus Wasser, Schlamm und Geröll. Ausgelöst durch extreme, lokale Starkregenereignisse – die laut Studien bei einer Erwärmung um 2°C um das Doppelte zunehmen – geraten ganze Berghänge in Bewegung und bedrohen Orte, die früher als absolut sicher galten.

Fazit: Ein Privileg auf Zeit

Wer heute noch die Hochalpen und ihre Gletscher erleben will, muss umdenken. Eine fundierte Ausbildung in Spaltenbergung, der sichere Umgang mit Steigeisen und Eispickel sowie eine akribische Tourenplanung sind überlebenswichtig geworden.

Die Berge sind im Wandel, sie werden wilder, unberechenbarer und gefährlicher. Oder wie Bergführer Karl Visa es treffend formuliert: Es ist ein Privileg, diese vergängliche Masse heute noch so erleben zu dürfen – die nächste Generation wird davon wohl nur noch einen ganz kleinen Teil zu Gesicht bekommen.

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