Ein trauriger Rekord mitten in Europa: Trotz einer stabilen Wirtschaft leidet in Spanien jedes dritte Kind unter Armut. Die Preise explodieren, Schulen schlagen Alarm wegen mangelernährter Kinder und die Jugend verliert den Glauben an die Zukunft. Ein Blick auf ein Land, in dem das Versprechen der Leistungsgesellschaft zu bröckeln droht.

Es ist eine bittere Realität, die sich derzeit auf der iberischen Halbinsel abspielt. In fast 20 Jahren hat sich die Zahl der von Armut betroffenen Minderjährigen in Spanien verdoppelt. Betroffen ist mittlerweile ein Drittel aller Kinder. Zum ersten Mal seit Generationen droht der Jugend ein schlechteres Leben als das ihrer Eltern.

Alarmstufe Rot an den Schulen: Hunger im Klassenzimmer

Die Folgen der Armut zeigen sich dort, wo die Zukunft des Landes geformt werden soll: in den Klassenzimmern. Durch die massive Inflation bei Lebensmitteln und Mieten können sich viele Familien gesunde Nahrungsmittel schlichtweg nicht mehr leisten.

  • Zucker statt Vitamine: Weil frisches Obst und Gemüse zu teuer sind, greifen Familien auf billigere, zuckerhaltige Alternativen zurück. Die Folge sind massive Konzentrationsschwächen im Unterricht.
  • Notprogramme der Schulen: Mit spielerischen Initiativen wie „Fruchtmetern“ versuchen Schulen gegenzusteuern, um Kindern eine gesunde Ernährung anzugewöhnen.
  • Hilfe reicht nicht aus: Schulen verteilen Essenspakete für den Nachmittag und das Abendessen. Doch das Budget der öffentlichen Hand reicht hinten und vorne nicht, das Personal ist überlastet.
„Wir brauchen mehr Mittel, mehr Personal und mehr finanzielle Ressourcen. Die öffentliche Hand und private Spender müssen zusammenarbeiten, sonst können wir den Bedarf der Familien nicht stillen.“ – Schulleiterin einer betroffenen Schule
Foto: Diego Delso, delso.photo, Lizenz:CC BY-SA

Andalusien: Das Epizentrum der Krise

Besonders dramatisch ist die Lage in Andalusien, der ärmsten Region Spaniens. Hier liegt die Arbeitslosigkeit in manchen Teilen bei schockierenden 40 %.

Das Schicksal von Christina und Dilan

Die alleinerziehende Mutter Christina lebt 30 Kilometer von Sevilla entfernt. Nach der Insolvenz ihres Arbeitgebers lebt sie von knapp 600 Euro Sozialleistungen und Arbeitslosengeld im Monat.

Für ihren neunjährigen Sohn Dilan versucht sie alles, spart monatlich mühsam fünf oder zehn Euro ab, damit es für Geburtstagsgeschenke reicht. Ihr größter Wunsch? Dass der Teufelskreis der Armut bei ihr endet.

„Mein Sohn soll auf keinen Fall Kellner werden. Ich möchte, dass er eine Ausbildung macht. Er soll nicht gezwungen sein, so zu leben wie ich oder meine Mutter. Ich möchte für ihn ein gutes Leben.“ – Christina, alleinerziehende Mutter

Tourismus-Boom vs. Miet-Wahnsinn

Ob in den Metropolen wie Barcelona oder an den Traumstränden von Cádiz: Der Tourismus boomt, doch für die lokale Bevölkerung wird das Leben unbezahlbar.

Region / StadtDas Problem vor Ort
Barcelona

Die Mieten haben sich in den letzten zehn Jahren verdoppelt. Selbst Familien mit zwei Einkommen droht die Zwangsräumung.

Cádiz

Prekarität im Gastgewerbe. Junge, gut ausgebildete Menschen hangeln sich von einem befristeten 7-Monats-Vertrag zum nächsten und landen trotz Studium in Fast-Food-Ketten.

Die logische Konsequenz: 86 % aller Spanier unter 30 Jahren leben noch bei ihren Eltern, weil eine eigene Wohnung unbezahlbar ist. Das viel gepriesene Konzept der „Leistungsgesellschaft“ hat für die spanische Jugend Risse bekommen. Wer sich täglich abrackert, bekommt oft nicht mehr den Lohn, der ein würdevolles Leben garantiert.

Zweite Chancen: Der Kampf gegen die Resignation

Trotz der erdrückenden Zahlen gibt es Hoffnung. Private Stiftungen und Organisationen wie die Stiftung El Llidar in Barcelona oder Ayuda en Acción versuchen, den Teufelskreis zu durchbrechen. Sie bieten Jugendlichen, die aus dem Schulsystem geflogen sind, eine zweite Chance durch duale Ausbildungen in der Mechatronik, Tischlerei oder im Gastgewerbe.

Der 17-jährige Miguel, der in einem armen Vorort von Barcelona aufwuchs und phasenweise nur Reis mit Ketchup zu essen hatte, macht heute eine Ausbildung zum Mechatroniker. Er ist stolz und überzeugt: „Man kann es schaffen, da rauszukommen.“

Spaniens verlorene Generation: Wenn harte Arbeit nicht mehr aus dem Teufelskreis der Armut hilft (Video)

Ein trauriger Rekord mitten in Europa: Trotz einer stabilen Wirtschaft leidet in Spanien jedes dritte Kind unter Armut. Die Preise explodieren, Schulen schlagen Alarm wegen mangelernährter Kinder und die Jugend verliert den Glauben an die Zukunft. Ein Blick auf ein Land, in dem das Versprechen der Leistungsgesellschaft zu bröckeln droht.

Es ist eine bittere Realität, die sich derzeit auf der iberischen Halbinsel abspielt. In fast 20 Jahren hat sich die Zahl der von Armut betroffenen Minderjährigen in Spanien verdoppelt. Betroffen ist mittlerweile ein Drittel aller Kinder. Zum ersten Mal seit Generationen droht der Jugend ein schlechteres Leben als das ihrer Eltern.

Alarmstufe Rot an den Schulen: Hunger im Klassenzimmer

Die Folgen der Armut zeigen sich dort, wo die Zukunft des Landes geformt werden soll: in den Klassenzimmern. Durch die massive Inflation bei Lebensmitteln und Mieten können sich viele Familien gesunde Nahrungsmittel schlichtweg nicht mehr leisten.

  • Zucker statt Vitamine: Weil frisches Obst und Gemüse zu teuer sind, greifen Familien auf billigere, zuckerhaltige Alternativen zurück. Die Folge sind massive Konzentrationsschwächen im Unterricht.
  • Notprogramme der Schulen: Mit spielerischen Initiativen wie „Fruchtmetern“ versuchen Schulen gegenzusteuern, um Kindern eine gesunde Ernährung anzugewöhnen.
  • Hilfe reicht nicht aus: Schulen verteilen Essenspakete für den Nachmittag und das Abendessen. Doch das Budget der öffentlichen Hand reicht hinten und vorne nicht, das Personal ist überlastet.
„Wir brauchen mehr Mittel, mehr Personal und mehr finanzielle Ressourcen. Die öffentliche Hand und private Spender müssen zusammenarbeiten, sonst können wir den Bedarf der Familien nicht stillen.“ – Schulleiterin einer betroffenen Schule
Foto: Diego Delso, delso.photo, Lizenz:CC BY-SA

Andalusien: Das Epizentrum der Krise

Besonders dramatisch ist die Lage in Andalusien, der ärmsten Region Spaniens. Hier liegt die Arbeitslosigkeit in manchen Teilen bei schockierenden 40 %.

Das Schicksal von Christina und Dilan

Die alleinerziehende Mutter Christina lebt 30 Kilometer von Sevilla entfernt. Nach der Insolvenz ihres Arbeitgebers lebt sie von knapp 600 Euro Sozialleistungen und Arbeitslosengeld im Monat.

Für ihren neunjährigen Sohn Dilan versucht sie alles, spart monatlich mühsam fünf oder zehn Euro ab, damit es für Geburtstagsgeschenke reicht. Ihr größter Wunsch? Dass der Teufelskreis der Armut bei ihr endet.

„Mein Sohn soll auf keinen Fall Kellner werden. Ich möchte, dass er eine Ausbildung macht. Er soll nicht gezwungen sein, so zu leben wie ich oder meine Mutter. Ich möchte für ihn ein gutes Leben.“ – Christina, alleinerziehende Mutter

Tourismus-Boom vs. Miet-Wahnsinn

Ob in den Metropolen wie Barcelona oder an den Traumstränden von Cádiz: Der Tourismus boomt, doch für die lokale Bevölkerung wird das Leben unbezahlbar.

Region / StadtDas Problem vor Ort
Barcelona

Die Mieten haben sich in den letzten zehn Jahren verdoppelt. Selbst Familien mit zwei Einkommen droht die Zwangsräumung.

Cádiz

Prekarität im Gastgewerbe. Junge, gut ausgebildete Menschen hangeln sich von einem befristeten 7-Monats-Vertrag zum nächsten und landen trotz Studium in Fast-Food-Ketten.

Die logische Konsequenz: 86 % aller Spanier unter 30 Jahren leben noch bei ihren Eltern, weil eine eigene Wohnung unbezahlbar ist. Das viel gepriesene Konzept der „Leistungsgesellschaft“ hat für die spanische Jugend Risse bekommen. Wer sich täglich abrackert, bekommt oft nicht mehr den Lohn, der ein würdevolles Leben garantiert.

Zweite Chancen: Der Kampf gegen die Resignation

Trotz der erdrückenden Zahlen gibt es Hoffnung. Private Stiftungen und Organisationen wie die Stiftung El Llidar in Barcelona oder Ayuda en Acción versuchen, den Teufelskreis zu durchbrechen. Sie bieten Jugendlichen, die aus dem Schulsystem geflogen sind, eine zweite Chance durch duale Ausbildungen in der Mechatronik, Tischlerei oder im Gastgewerbe.

Der 17-jährige Miguel, der in einem armen Vorort von Barcelona aufwuchs und phasenweise nur Reis mit Ketchup zu essen hatte, macht heute eine Ausbildung zum Mechatroniker. Er ist stolz und überzeugt: „Man kann es schaffen, da rauszukommen.“

Diesen Artikel teilen
Share

Geschrieben von

What's Next?