Keine Autos, keine Hotelburgen, kein Massentourismus: Die winzige sizilianische Insel Marettimo gilt noch als echter Geheimtipp. Mittendrin: Der Südtiroler Bergführer Michi Andres, der hier zusammen mit seinem Sohn Lorenz eine zweite Heimat gefunden hat. Ein Reisebericht über die Suche nach der perfekten Balance zwischen Fels, Meer und echtem Respekt vor fremden Kulturen.

BOZEN / MARETTIMO – Gerade einmal acht Kilometer lang und drei Kilometer breit ist der raue Felskoloss, der sich westlich von Sizilien aus dem azurblauen Mittelmeer erhebt. Es gibt genau einen Ort, außerhalb davon keine Straßen – und das Leben scheint hier friedlich stillzustehen. Für den bekannten Südtiroler Bergführer Michi Andres war es Liebe auf den ersten Blick, als er vor einigen Jahren durch einen Artikel im Magazin des italienischen Alpenvereins (CAI) auf das Eiland aufmerksam wurde. Seither zieht es ihn und seine Familie immer wieder dorthin.

(Foto: jim / Wikimedia Commons, CC BY-SA 2.0)

Die „Dolomiten von Marettimo“

Wer denkt, dass ein Südtiroler Bergführer im Urlaub nur auf der faulen Haut liegt, täuscht sich. Die Insel bietet mit dem Monte Falcone (knapp 700 Meter) und ihren wild zerklüfteten, unbesiedelten Steilküsten ein Paradies für Abenteurer.

„Da geht’s in die Dolomiten von Marettimo!“, scherzt Michi Andres beim schweißtreibenden Aufstieg.

Gemeinsam mit seinem Sohn Lorenz erkundet er die Insel auf seine ganz eigene Weise: Klettern auf wilden Routen direkt über dem Meer, Abseilen in versteckte Meeresgrotten und Abenteuer abseits jeglicher touristischer Infrastruktur.

Für Vater und Sohn ist es gelebte Quality Time. Im Urlaub, so Lorenz, begegne man sich auf Augenhöhe – nicht als strenger Vater und folgsamer Sohn, sondern als eingespieltes Team, das die Natur genießt und abends den selbst gefangenen Fisch über dem Lagerfeuer grillt.

„Weltunterschied“: Privat vs. Beruf

Obwohl Michi Andres die Insel auch daraufhin testet, ob sich die Routen für zukünftige Kundentouren eignen, genießt er die privaten Momente sichtlich. Als Bergführer trage er die Verantwortung für jeden Schritt seiner Gäste vom ersten bis zum letzten Moment. Wenn die Leute sagen, er habe sein Hobby zum Beruf gemacht, muss er schmunzeln. Privat mit dem Sohn im Fels zu hängen, sei einfach ein „Weltunterschied“.

Die Kunst, ein guter Gast zu sein

Was den Südtiroler an Marettimo neben den Felsen fasziniert, sind die Menschen und die Entschleunigung. Früher lebte die Insel ausschließlich vom harten Thunfischfang, heute hat sich ein sanfter Wandertourismus etabliert, der von April bis November anhält. Getragen wird dieser von jungen Einheimischen, die familiäre Zimmer vermieten.

Andres hat über die Jahre eine tiefe Philosophie des Reisens entwickelt, die von großem Respekt geprägt ist:

  • Akzeptanz: „Gast sein heißt das akzeptieren, was mir angeboten wird – ob das das Essen angeht oder das Bett, wenn es mal kürzer ist. Als Gast regst du dich nicht auf, dass es nicht so ist wie zu Hause.“
  • Zurückhaltung statt Ratschläge: Früher, so gibt Andres offen zu, dachte er manchmal, er müsse den Inselbewohnern Tipps geben – etwa, dass Windräder oder Solaranlagen besser wären als die alten Dieselgeneratoren. „Inzwischen bin ich davon abgekommen. Jede Kultur hat das Recht, ihre eigenen Fehler zu machen. Ratschläge von oben herab sind nicht willkommen.“

Die richtige Balance

Am Ende einer Reise, wenn die Beine müde sind und zwei am Strand gefundene Lochsteine als Souvenir in der Hosentasche stecken, bleibt die Erkenntnis über das Leben: Es kommt auf die Balance an. Weder wolle er immer nur auf Reisen sein, noch immer nur zu Hause.

Und so kehrt der Bergführer wieder heim nach Südtirol – im Gepäck die tiefe Entspanntheit einer kleinen Insel im Mittelmeer, auf der man sich schon nach wenigen Tagen wie zu Hause fühlt.

Text: Südtirol Now Redaktion

Basierend auf der Dokumentation „Bergauf-Bergab“ (BR).

Von den Dolomiten nach Marettimo: Wie ein Südtiroler Bergführer das Ur-Gefühl des Reisens neu entdeckt

Keine Autos, keine Hotelburgen, kein Massentourismus: Die winzige sizilianische Insel Marettimo gilt noch als echter Geheimtipp. Mittendrin: Der Südtiroler Bergführer Michi Andres, der hier zusammen mit seinem Sohn Lorenz eine zweite Heimat gefunden hat. Ein Reisebericht über die Suche nach der perfekten Balance zwischen Fels, Meer und echtem Respekt vor fremden Kulturen.

BOZEN / MARETTIMO – Gerade einmal acht Kilometer lang und drei Kilometer breit ist der raue Felskoloss, der sich westlich von Sizilien aus dem azurblauen Mittelmeer erhebt. Es gibt genau einen Ort, außerhalb davon keine Straßen – und das Leben scheint hier friedlich stillzustehen. Für den bekannten Südtiroler Bergführer Michi Andres war es Liebe auf den ersten Blick, als er vor einigen Jahren durch einen Artikel im Magazin des italienischen Alpenvereins (CAI) auf das Eiland aufmerksam wurde. Seither zieht es ihn und seine Familie immer wieder dorthin.

(Foto: jim / Wikimedia Commons, CC BY-SA 2.0)

Die „Dolomiten von Marettimo“

Wer denkt, dass ein Südtiroler Bergführer im Urlaub nur auf der faulen Haut liegt, täuscht sich. Die Insel bietet mit dem Monte Falcone (knapp 700 Meter) und ihren wild zerklüfteten, unbesiedelten Steilküsten ein Paradies für Abenteurer.

„Da geht’s in die Dolomiten von Marettimo!“, scherzt Michi Andres beim schweißtreibenden Aufstieg.

Gemeinsam mit seinem Sohn Lorenz erkundet er die Insel auf seine ganz eigene Weise: Klettern auf wilden Routen direkt über dem Meer, Abseilen in versteckte Meeresgrotten und Abenteuer abseits jeglicher touristischer Infrastruktur.

Für Vater und Sohn ist es gelebte Quality Time. Im Urlaub, so Lorenz, begegne man sich auf Augenhöhe – nicht als strenger Vater und folgsamer Sohn, sondern als eingespieltes Team, das die Natur genießt und abends den selbst gefangenen Fisch über dem Lagerfeuer grillt.

„Weltunterschied“: Privat vs. Beruf

Obwohl Michi Andres die Insel auch daraufhin testet, ob sich die Routen für zukünftige Kundentouren eignen, genießt er die privaten Momente sichtlich. Als Bergführer trage er die Verantwortung für jeden Schritt seiner Gäste vom ersten bis zum letzten Moment. Wenn die Leute sagen, er habe sein Hobby zum Beruf gemacht, muss er schmunzeln. Privat mit dem Sohn im Fels zu hängen, sei einfach ein „Weltunterschied“.

Die Kunst, ein guter Gast zu sein

Was den Südtiroler an Marettimo neben den Felsen fasziniert, sind die Menschen und die Entschleunigung. Früher lebte die Insel ausschließlich vom harten Thunfischfang, heute hat sich ein sanfter Wandertourismus etabliert, der von April bis November anhält. Getragen wird dieser von jungen Einheimischen, die familiäre Zimmer vermieten.

Andres hat über die Jahre eine tiefe Philosophie des Reisens entwickelt, die von großem Respekt geprägt ist:

  • Akzeptanz: „Gast sein heißt das akzeptieren, was mir angeboten wird – ob das das Essen angeht oder das Bett, wenn es mal kürzer ist. Als Gast regst du dich nicht auf, dass es nicht so ist wie zu Hause.“
  • Zurückhaltung statt Ratschläge: Früher, so gibt Andres offen zu, dachte er manchmal, er müsse den Inselbewohnern Tipps geben – etwa, dass Windräder oder Solaranlagen besser wären als die alten Dieselgeneratoren. „Inzwischen bin ich davon abgekommen. Jede Kultur hat das Recht, ihre eigenen Fehler zu machen. Ratschläge von oben herab sind nicht willkommen.“

Die richtige Balance

Am Ende einer Reise, wenn die Beine müde sind und zwei am Strand gefundene Lochsteine als Souvenir in der Hosentasche stecken, bleibt die Erkenntnis über das Leben: Es kommt auf die Balance an. Weder wolle er immer nur auf Reisen sein, noch immer nur zu Hause.

Und so kehrt der Bergführer wieder heim nach Südtirol – im Gepäck die tiefe Entspanntheit einer kleinen Insel im Mittelmeer, auf der man sich schon nach wenigen Tagen wie zu Hause fühlt.

Text: Südtirol Now Redaktion

Basierend auf der Dokumentation „Bergauf-Bergab“ (BR).

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